Kreta

Kreta vom 8. Oktober 2021 - 20. Oktober 2021
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Tag 8: Samstag, 16. Oktober 2021

Ton, Steine Scherben

Kulturtag! Wir genießen um 8.30 Uhr (immerhin 7. 30 Uhr deutsche Zeit) die himmlische Ruhe beim Frühstück und kommen um 9.30 Uhr los. Knossos liegt in der Nähe von Heraklion, von Dienstag wissen wir noch, dass das über eine Stunde Fahrt ist. Unser Online-Tickets gelten ab 10 Uhr.

Vor Ort parken schon viele Busse (unser Lieblingsplural von Louisa, als sie noch jünger war: Büsse), ansonsten sind viele Plätze frei. Wir gehen vorbei an den Tavernen am Straßenrand, deren Gastwirte jetzt schon penetrant ihre Speisen anbieten. Und schaffen es unbeschadet durch eine ganze Heerschar an angeblichen Führern durch das Gelände, die einen direkt vor der Kasse geradezu anfallen.

Doch kaum sind wir in der Ausgrabungsstätte: Noch wenig los, traumhaftes Herbstwetter.

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Knossos, Palastanlage der sagenhaften minoeischen Könige, wurde fast von Heinrich Schliemann gefunden. Doch der reiste ab, weil ihm die Kaufkondition des Ackers nicht passten. 1894 kam ein gewisser Arthur Evans, wohlhabend und historienbegeistert, und schlug zu. 1900 zogen die türkischen Besatzer ab und Evans legte los. Sein Verdienst ist es, dass Knossos heute so aussieht, wie es aussieht - im guten, wie im schlechten Sinne. Denn der Bau war einsturzgefährdet, weil die verwendeten Baumstämme gelitten hatte, erst unter einem Feuer, danach (weil freiliegend in der Ruine) unter der Witterung. Was für ein Segen, dass in den 1920ern der Stahlbeton erfunden wurde… Und sich Evans seinen Palast so zusammenzimmern konnte, wie er ihn sich erträumt hatte. Auch seine Theorien wurden inzwischen teilweise widerlegt. Egal, ein spannender Ort.

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Dank dickem Reiseführer und spärliche Beschilderung kommen wir einigermaßen durch. Die Reiseleitung ist ein bisschen neidisch auf die (wenigen) Menschen, die über ein kleines Tablett eine 3-D-Animation betrachten können. Die Ausführungen zumindest der deutschen freien Guides klingen wenig hilfreich. Lustig sind die Italiener, die natürlich gleich den Vergleich zu Pompeji anstellen - Wer schneidet da wohl besser ab…?

Ein Teil des Geländes, ausgerechnet die Untergeschosse mit farbenprächtigen Fresken, sind wegen des Erdbebens geschlossen. Nach zwei Stunden gehen wir, auch weil es jetzt doch voll wird.

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Zu den Klängen eines 80er-Jahre-Senders fahren wir in die Innenstadt. Im Stau begleitet uns tatsächlich Modern Talking (“was genau ist daran so schlimm? ”, will der Nachwuchs wissen. “Alles”), die laut Reiseführer leicht zu findenden freien Parkplätze verstecken sich, wir investieren 3 Euro für einen Tagesplatz am Hafen.

Auf dem Weg in die Stadt bewundern wir die ehemaligen venezianischen Schiffshallen (gesperrt, Erdbeben). Als der Nieselregen einsetzt, setzen wir uns in eine Taverne neben einen Park. Speisen solide, Gastfreundschaft wieder sagenhaft (Vorspeise, Nachtisch, Raki aufs Haus). Im Park selbst gibt es eine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und einem Senior, die Louisa noch eine Weile beschäftigt. Die Eltern nehmen an, dass der Herr wahlweise der Dealer war oder es ein ähnlicher Konflikt innerhalb der Szene war. Und wir alle haben den Verdacht, dass danach komplett unauffällig ein Zivilpolizist seine Kreise um die Gruppe zieht.

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Nachdem die Einkehr wie immer in Griechenland etwas dauert, bleibt zum großen Bedauern von Reiseleitung und Louisa kaum Zeit zum Bummeln. Die Basarstraße bietet vor allem Nippes und der Rest ist zu weit weg. Denn: Unsere Ticketss bieten auch Eintritt in das archäologische Museum! Im Restaurant wurden zum ersten Mal unsere Impfnachweise geprüft, nun wird Louisa zum Schnelltest verpflichtet. Also: Schnelltest kaufen, durchführen und danach eine Selbsterklärung ausfüllen.

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Auch im Museum selbst: Nur begrenzte Anzahl von Menschen pro Raum, strenge Kontrolle der Maskenpflicht. Das Museum selbst bietet sehr viel sehenswertes. Wir konzentrieren uns auf die Vorschläge im Reiseführer und die Fresken aus Knossos und taumeln auch so nach einigen Stunden leicht benommen in die Sonne.

So viel spannendes: Der noch nicht dechiffrierte Diskus mit 45 Zeichen. Die Fresken, die nach der Bearbeitung von Evans und seinen Mannen eher eine Pariser Schönheit, als eine Dame im Reich des Minos zeigen. Etc etc.

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Wir laufen zurück zum Hafen und sind nach 19 Uhr wieder in der Anlage. Beim Abendessen ist wunderbar wenig los, wir glauben und hoffen schon, dass einfach irgendwo Ferienende war. Aber nein: “We are full”, strahlt die Bedienung. 800 Menschen in der Anlage. Was für ein Glück, dass sich das immer gut verläuft.

Tag 8: Samstag, 16. Oktober 2021

Noch mehr Ton, Steine, Scherben

Und hier sind noch mehr Bilder.

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Tag 9: Sonntag, 17. Oktober 2021

Ein Touristenmagnet ohne uns

Nach dem Kulturtag rund um Knossos sind wir etwas ermattet. Dass drei von vier die Erkältung von Louisa weitergereicht bekommt haben, macht es nicht besser. Deshalb: Frühstücken und feststellen, dass offensichtlich gerade alle 800 Gäste gleichzeitig anstehen. Und danach eine gepflegte Runde auf den Liegestühlen unter alten Olivenbäumen, während die wieder komplett fitte Louisa tauchen übt und erst mit blauen Lippen wieder aus dem kühlen Pool kommt.

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Statt Mittagessen gibt es eine Tasse Tee und restlichen Knabberkram. Und noch eine Runde Ruhe Aber nur bis 15 Uhr. Dann hält es die Reiseleitung doch nicht mehr aus. Für einen Nachmittag am Meer sind Wasser und Luft eindeutig zu kühl. Aber wie wäre es mit einer kleinen Fahrt Richtung Elounda, da war es doch so nett…?

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Tatsächlich macht sich die Reisegruppe auf den Weg. Aber alle Versuche, die anderen drei auf die ehemalige Leprainsel Spinalonga zu locken, scheitern erneut. Zu anstrengend, weil man ja erst mit dem Boot fahren muss. Und viel zu langweilig, weil da doch nur leere Häuser sind usw usw. Die Reiseleitung könnte verzweifeln. Und findet dann einen deutlich weniger touristischen Pfad über den Norden der Insel…

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Vorbei an Plaka mit seinen Nobelhotels den Berg hoch. Ein kleiner Stopp bei Windmühlen, allesamt Ruinen, außer einer, die jetzt ein sehr privates Wohnhaus ist. Dann geht es quasi quer durch den Olivenhain und eine kleine Straße nach Skinias, wo es eine kleine Gipfelkirche mit sagenhafter Sicht geben soll. Da es eine Kirche gleichen Namens auf Rhodos gibt, verweigert sich Google Maps. Aber: Wir finden schließlich hin.

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Und dann stellt die Reiseleitung noch fest, dass ein berühmtes Kloster fast direkt auf dem Heimweg liegt - da kann man ja nicht daran vorbei fahren! Dem Kloster Aretiou unterstanden im 17. Jahrhundert noch viele kleinere Klöster, es gab eine Ölmühle und einen große Zisterne. Die deutschen Besatzer zerstörten vieles, doch das Kloster wurde restauriert und ist bis heute bewohnt. Ein sehr stimmungsvoller Ort mit vielen Orangenbäumen, wachsamen Gänsen und einer unglaublichen Atmosphäre in der Kapelle, die St. Lazarus gewidmet ist. (Ein kleines Gespräch vor Ort endete sehr schnell, als Nicole einen profanen Hustanfall bekam.)

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Auf dem Rückweg kommen wir durch kleinen Örtchen, in denen erfreulich viel Leben zu sehen ist. Die kleinen Tavernen sitzen voll, offensichtlich mit Einheimischen. Die Ebene von Kastelli überrascht uns mit Landwirtschaft. Ach, eigentlich haben wir ohne Spinalonga mehr Griechenland gesehen als es sonst der Fall gewesen wäre.

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Beim Abendessen versuchen Nicole und Gerald, einen Espresso zu bestellen. Doch sämtliche Bedienungen deuten das schüchterne Lächeln falsch und bringen jeweils eine Runde Raki… Bevor die Eltern endgültig unter dem Tisch liegen, trudelte zum Glück noch ein Kaffee ein. Und jetzt hoffen wir auf die heilsame Wirkung des Tresterschnapses. Kalinichta! (Gute Nacht)

Tag 9: Sonntag, 17. Oktober 2021

Keine Bilder von Spinalonga

… Dafür gibt es andere Fotos.

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Tag 10: Montag, 18. Oktober 2021

Gen Osten

Raki hilft nicht gegen Erkältung, schade aber auch. Entsprechend verschnupft sitzt Gerald den letzten Tag am Steuer des Mietwagens, Nicole schnieft daneben. Diesmal starten wir Richtung Osten, lasse aber offen, wie weit wir fahren wollen. Denn rein in Kilometern ist das alles nicht viel. Aber wenn es in Serpentinen neun Kilometer den Berg hochgeht, dann braucht das eine Weile.

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Das Kloster Faneroménis ist unser Ziel. Es liegt 540 Meter hoch, ist wie eine Festung angelegt und war in seiner Geschichte auch schon Treffpunkt von Widerstandskämpfern. Im Inneren: Eine offensichtlich flugfähige Ikone. Auch diese Mariendarstellung wurde an Ort und Stelle gefunden und kehrt, so will es die Legende, auch immer wieder in diese Höhle zurück. Direkt daneben sprudelt heiliges Wasser. Zurückgelassene Krücken, Kinderschuhe und viele Armbändern künden von angeblichen Wunderheilungen.

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Auf einer Bank sitzt ein Mönch und wirkt, freundlich formuliert, entgeistigt. Entrückt. Bis sein Handy lautstark bimmelt und er nach draußen rennt, um lange und laut zu telefonieren. Außerdem leben auf dem Gelände zahllose Katzen, einige machen einen ziemlich kranken Eindruck. Dennoch auch hier wieder ein sehr stimmungsvoller Ort.

Danach liegt praktischerweise noch Gournia neben der Straße, die zweitgrößte minoische Stadt, die auf Kreta ausgegraben wurde. Kilian ist durchaus angetan, Louisa meutert, Gerald putzt sich die Nase. Dabei sind diese alten Steine zumindest für die Reiseleitung fast so faszinierend, wie Knossos. Lange, gerade Gassen führen durch die Siedlung, auf denen vor 3500 Jahren tatsächlich Menschen gelaufen sind! Die Erdgeschoss der kleinen Häuser sind noch erhalten, eine Schautreppe, der Eingang zu etwas, das wohl ein Palast war.

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Leider kann uns auch die Dame am Einlass nicht sagen, welche Bedeutung die runden Steine mit der Vertiefung hatten (siehe Bild), die es auch schon in Lato gab. Eine Mühle? Lagerort? Feuerstelle? Google wusste bisher auch nichts.

Die Fütterungszeit ist schon fast wieder verstrichen. Also steuern wir das Küstenörtchen Mochlos an, auf dem Weg dorthin bewundern wir einen großen Steinbruch, in dem Gips und Alabaster (eine Art von Gips) abgebrochen wird. Mochlos liegt in einer kleinen Bucht - und wir verweilen. Erst in einer Taverne bei Spiros zum Mittagessen (solide, aber sehr netter Wirt, Fruchtnachtisch und Raki wieder vom Haus.), danach eine Runde bummeln, dann noch ein Kaffee in “The Rocks” am Ufer.

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Wir blicken auf das kleine Inselchen, das mal mit dem Festland verbunden war und beobachten mehr oder weniger fröstelnde Schwimmer. Ach Kreta, schon schön hier. Natürlich locken jetzt noch eine Schlucht - aber in der Erdbeben Phase und mit Klumpknöchel muss das nicht sein. Dann gäbe es noch die Stadt Sitia und den berühmten Palmenstrand Vai und…. Aber wollen wir jetzt wirklich noch eineinhalb Stunden gen Osten fahren, nur um den fast direkt wieder zurück zu kurven? Nein. Ein stimmiger Beschluss. Da schauen wir lieber noch eine Runde auf das Meer.

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Auf dem Rückweg noch ein Stopp an einem kleinen Dorf, man kann zum Eingang einer kleinen Schlucht laufen. Netter Weg, auch wenn wir über die vielen Hunde, die offensichtlich ein Mann unter den Olivenbäumen hält und die alle einzeln angekettet sind, ziemlich entsetzt sind. Der Eingang zur Schlucht ist dann ungespektakulär.

Abends tritt die Tanzgruppe wieder auf. Der umjubelte Sirtaki wurde übrigens extra für den Film Alexis Sorbas erfunden: Hauptdarsteller Anthony Quinn konnte nicht wirklich gut tanzen, deshalb bekam er einfache Schritte - die inzwischen alle Welt für einen urgriechischen Tanz hält.

Tag 10: Montag, 18. Oktober 2021

Kloster, alte Stadt und kleine Bucht

Und hier sind wieder ein paar Bilder.

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Tag 11: Dienstag, 19. Oktober 2021

Wieder Fußgänger

Den Mietwagen haben wir am Montag ordnungsgemäß vor der Rezeption geparkt und den Schlüssel abgegeben. Die übrigen eineinhalb Tage sind wir also Fußgänger. Dabei gibt es keine lange Wege: Zum Meer, in dem Mutter und Tochter ausgiebig in den Wellen planschen. Zur Strandbar für ein kleines Mittagessen. Und danach in das Apartment, damit Gerald eine Runde schlafen kann.

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Um 15 Uhr ziehen Mutter und Sohn dann los zur Cretan Olive Oil Farm, einer Art Museum rund um eine alte Ölmühle. Ausgerechnet Kilian, der ja gerade am mobilen Gerät hängt, ist übrigens sehr leicht für Museen, Ausgrabungen etc zu begeistern. Die Tochter beschließt, dass das Kulturprogramm der letzten Tage wirklich genug war und bleibt bei Gerald.

Etwa 15 Minuten Fußweg sind es zur Farm. Dort gibt es ein Tablet mit einer Führung in der gewünschten Sprache und viel Wissenswertes über Kräuter, Olivenanbau und Olivenernte, Käseproduktion und so weiter. Danach verkosten Nicole und Kilian noch lange Olivenöle, Honig, Oliven und - nur Nicole - Raki. Natürlich werden ein paar Souvenirs gekauft, dann geht es auf den Heimweg und zum letzten Abendessenbuffet.

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Und noch ein paar Fotos aus dem “Dorf”, in dem wir diesen Urlaub verbringen.

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Tag 12: Mittwoch, 20. Oktober 2021

Noch einmal ins Meer

… Zugegeben, der kleine Luxus, den eine Pauschalreise bietet, ist schon fein. Da unser Bus zum Flughafen erst um 15. 30 Uhr fährt, bekommen wir noch ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Man muss ja duschen können, wenn man nochmal im Meer war!

13 Uhr: Louisa und Nicole gehen noch einmal ins Wasser und hüpfen in den doch eher hohen Wellen

14 Uhr: Frisch geduscht sitzen wir in der Taverne und essen noch einmal griechisch. Für die Flugängstlichen gibt es ein Glas Wein.

15 Uhr: Wir stehen mit den Koffern bereit und warten auf den Tui-Bus. Der mit Verspätung kommt und dann sehr gemütlich an der Küstenlinie rund um Malia zuckelt, so dass wir da auch noch was zu sehen bekommen.

17 Uhr: Am Flughafen Heraklion. Strenger Blick auf die Impfzertifikate, ansonsten geht es flott. Problem: Wir trinken mal noch schnell knapp zwei Liter Wasser leer und sind danach mit Toilettengängen beschäftigt.

17. 30 Uhr. Staunen über den Automaten mit Pflanzensamen kurz vor dem Check-in.

19 Uhr. Sagenhafter Mond und Sonnenuntergang auf dem Weg zum Flieger. Eindrucksvoll dreht eine Condormaschine sehr nahe und bläst uns heiße Luft um die Ohren.

Der Flug: Ruhig. Das vorbestellte Essen schmeckt überraschend gut. Die Sitze sind sehr sehr eng, Legehennenbatterie.

21. 30 Uhr Planmäßige Landung. (Wann klatscht endlich jemand, wenn ich abends Seiten abmelde? Oder sonstwie einfach meinen Job mache? Andererseits: Schön, dass wir wieder auf dem Boden sind).

Auf dem Rückweg regnet es, auf der Autobahn ist Stau. Willkommen zurück in Deutschland….

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Tag 12: Mittwoch, 20. Oktober 2021

Mehr Meer und etwas Flughafen

… Und noch ein paar Fotos vom Kretaurlaub.

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