Finnland/Schweden

Deutschland > Finnland > Aland > Schweden > Deutschland vom 30. Juni 2017 - 22. Juli 2017
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Tag 10: Sonntag, 9. Juli 2017

Chillen auf der Schäre

Ein sonniger, windstiller Morgen auf Brändö. Nur die am Abend zuvor beim Minigolf eingehandelten Schnakenstiche jucken etwas - aber das sind bisher so wenige, dass wir uns da nicht beschweren wollen. Kleines Buffet zum Frühstück, wir sitzen auf der Terrasse. Es gibt durchaus einige andere Gäste im Hotel, genug, um zum Beispiel in Italien für einen beträchtlichen Geräuschpegel zu sorgen. Aber die Finnen - schweigen. Es ist still, selbst Paare reden kaum (was auch für manchen deutschen Mann ein Traum wäre. Wenn ihr das wollt, sucht euch eine Finnin). Danach folgen zwei Stunden kompletter Entspannung, denn checkout ist erst um 12 Uhr.

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Kilian und Louisa sind auf der Schäre mit dem Kescher unterwegs, von den 12 gefangenen Fischchen scheint der Großteil zu überleben. Nicole sitzt ebenfalls auf den Steinen und liest, Gerald nutzt das Wlan auf der Terrasse. Ein paar Vögel zwitschern, ab und zu eine Welle von einem Boot. Sehr selten ein Auto. Perfekt.

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Platsch - Louisa liegt im Wasser. Aber bei zirka 22 Grad kann man auch mal in nassen Klamotten spielen.

Um 12 Uhr fahren wir dann auch (alle in trockener Kleidung…) direkt los, schließlich geht unsere Fähre schon um 13.30 Uhr. wir sind sehr schnell in Torsholma, ein Minianleger mit vier Fahrspuren - und sind noch fast alleine.

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Erst kurz vor dem Termin kommen die anderen Fahrzeuge dazu. Die 2 ½ Stunden Fahrt nach Hummelvik verbringen wir größtenteils drinnen (Wlan, am Nachbartisch wird Disney geschaut und unsere Kinder schauen mit), es gibt Würstchen mit Kartoffelbrei.

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Um 16 Uhr kommen wir auf der größten Insel - deshalb Festland Aland genannt - an, an der Ostküste. Der Zeltplatz unserer Wahl liegt aber an der Westküste, also fahren wir gemütlich einmal quer drüber. Sind nur zirka 60 Kilometer. Da das Tempolimit meist bei 70 Stundenkilometern liegt, eine gemächliche Fahrt. Kiefernwald, Birkenwald, viele Buchten, immer wieder Schilder für das nächste Café. Gegen 18 Uhr checken wir in Degersand ein. Erstaunt stellen wir fest, dass die vier Zelte um unseres herum auch deutsch sind … das ist uns auf einmal schon fast zu viel Trubel.

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Im Zeltplatz eigenen Restaurant “Q” essen wir zu abend, danach lassen wir im stürmischen Wind am Ufer noch den Drachen steigen.

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Und ab in den Schlafsack - alle gegen 23 Uhr, nur Gerald harrt bis Mitternacht aus, damit er noch die Wäsche aus dem Trockner holen kann.

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Ein paar Dinge, die uns in Finnland aufgefallen sind:

In den Toiletten hängt fast immer auch eine kleine Handdusche. Lachen auf dem Boden gibt es keine. Aber vielleicht wird der Popo über der Schüssel geduscht? Nicole hat sich bei diesem doch sehr intimen Thema noch nicht getraut, ausgerechnet bei den Finnen nachzufragen.

Bei den Buffets gibt es zu den - sehr leckeren - Brotsorten auch immer Butter und Margarine. Beides wird jeweils vor Ort, auf einem Brett bei der Butter, draufgeschmiert. Dazu nutzen alle jeweils das eine kleine Holzmesser, das in der Butter steckt.

Wasser gibt es immer kostenlos zu trinken. Wasser gibt es immer kostenlos zu trinken. Wasser gibt es … warum eigentlich überall, außer in Deutschland? Hier stehen meist schicke große Glasgefäße mit einem kleinen Hahn dran.

In Helsinki gab es viele Erdbeerverkaufstände. Finnische Früchtchen, handverlesen, das Minischälchen für 5 Euro.

Tag 11: Montag, 10. Juli 2017

Luft: 20 Grad. Wasser: 16 Grad. Die Finnen baden.

Der Morgen plätschert träge vor sich hin. Die Sonne strahlt, das Meer rauscht. Heller Sand, wohin an blickt. Doch die karibische Anmutung trügt: Das Wasser hat nur 16 Grad. Aber das stört die Finnen (und Esten und Schweden) nicht: Kinder rennen ins Wasser, Erwachsene gehen schwimmen, Eltern breiten Decken aus - das Strandleben tobt. Louisa spielt im Zelt mit Stoffhund Hundi (der mal wieder Geburtstag feiern muss), Kilian liest - viel zu windig draußen. Nicole sitzt mit einer Tasse Kaffee und aufgestelltem Kragen der Fleecejacke am Strand und wundert sich.

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Aber der Sommer ist hier oben auch verdammt kurz. Zeltplätze haben nur zwei Monate geöffnet. Und so warm wird es wohl selten …

Nach einer Runde Nudeln mit Tomatensoße ziehen wir gegen Mittag los, nach Eckerö. Der Reiseführer listet seitenweise sehenswertes auf. Vor Ort zeigt sich, dass das alles eher …. Kleinteilig ist.

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Das Zollmuseum finden wir erst im zweiten Anlauf.

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Das Museum schenken wir uns, laufen nur über die Schären zum Denkmal für die gestrandeten Postboote, bestaunen die Schiffsgaragen der Küstenwache. Dann: Kaffeepaussi im Café Tsarevna im Hof des Museums.

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Klein, fein, sagenhaftes Gebäck. Kilian könnte es mühelos alleine verschlingen, muss aber teilen. Gemeine Welt mal wieder.

Käringsund und seine Bootshäuser finden wir schließlich auch. Ein erstaunlich trubeliges “Resort” mit Zeltplatz, das hinter den Schären deutlich geschützter liegt als unser Strand. Tatsächlich alte Bootshäuser, ein Museum.

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Aber mit Blick auf den Wetterbericht genießen wir lieber die Sonne.

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Dann der Haupttagesordnungspunkt: Ein Einkauf im Supermarkt, der etwa 20 Kilometer vom Zeltplatz entfernt liegt. “Hugo Andersson” heißt der Laden, in dem wir den Einkaufswagen und danach die Kühlbox prall füllen.

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Und danach: chillen. Es stürmt immernoch, aber Kilian und Louisa bauen stundelang am Strand einen Welleabwehr, Nicole liest ihren zweiten finnischen Roman, der auch noch auf einer Schäre spielt.

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Gegen 21 Uhr peilt Gerald für die von Licht und Wind ermattete Truppe die Bettzeit an. Alle putzen Zähne. Da entdeckt Nicole, dass am Waldrand vor dem Waschhaus noch ein Lagerfeuer glimmt. Nochmal ans Feuer setzen? Zu verlockend! Gerald flucht laut - so kurz vor der Ziellinie ….

Der Abend wird noch lang: schwupps sitzen die anderen beiden deutschen Familien auch am Feuer (Dresden und Göttingen, insgesamt drei Kinder, haben sich im Urlaub befreundet), dann kommt noch ein Ehepaar aus Rostock (Mitsiebziger, erfahrene Skandinavien-Camper, immer auf Achse) dazu. Es gibt zwei Runden Dosenbier. Zwei andere Jungs sind genauso alt wie Kilian, einen Schwester zirka 13. Kilian und Louisa im Glück - andere deutsche Kinder! Vor allem Kilian hat gleich einen gleichgesinnten gefunden und es wird unter Männern geredet. bis David (?) zurückkommt: “Mama, ich will auch auf so eine coole Schule…” Kilian hat Räuberpistolen, äh, selbstverständlich nur wahres von der Bronxschule in Speyer-West berichtet, was natürlich für das Schulkind einer Dorfschule extrem verlockend klingt ….Um 0.30 Uhr fallen wir vier sehr müde ins Bett. Aber es war faszinierend: Richtig dunkel wird es nie, dafür schon bald wieder hell. Früh ins Bett gibt es ein anderes Mal wieder ….

Tag 12: Dienstag, 11. Juli

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung

Das Wetter hält sich erstmal an die Prognose: Gegen 8 Uhr prasselt es leise aufs Zelt. Hört wieder auf. Kilian verabschiedet sich von seinen neuen Freunden. Und es regnet wieder, andauernde Schauer. Die allerdings entgegen der Vorhersage bis 20 Uhr anhalten und nicht um 14 Uhr der Sonne weichen. Gegen 12 Uhr fahren wir trotzdem los, nach der letzten kurzen Nacht eine müde Truppe. Ed Sheeran schmachtet und nervt die Eltern.

Als wir am anderen Ende der Insel bei Schloss Kastelnholm ankommen, haben alle Hunger. Wir schauen in das Restaurant im benachbarten Freilichtmuseum - gruselige Nudeln mit Soße und lieblose Köttbullar. Auf der anderen Straßenseite lockt Smakbyn: Ein bekanntes finnisches Köcheehepaar baut dort nach und nach Restaurant, Cafe, Destillerie auf. Die Preise wären bezahlbar, das Ambiente ist angenehm. Doch vor uns stehen schon 20 Familien Schlange. Wir beobachten kurz eine Keramikerin (Tassen in Herzform!) bei der Arbeit, dann suchen wir weiter.

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Laut Reiseführer gibt es was am kleinen Yachthafen. Der ist Luftlinie einmal durchs Freilichtmuseum garnicht so weit weg. Wir steigen in das Schafgehege ein (dort gibt es eine entsprechende Treppe) und folgen einem Trampelpfad - nur um festzustellen, dass der Trampelpfad von wolligen Vierbeinern geschaffen wurde. Hüstel. Wir steigen auf der andern Seite wieder aus dem Gehege aus (nicht vorgesehen), finden einen Waldweg und sitzen kurz darauf vor Kaffee und Zimtschnecken. Geht immer, schmeckt immer.

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Danach drehen wir eine Runde durch das Freilichtmuseum Jan Karlsgarden, der Eintritt ist kostenlos. Lange schauen wir im Niesel einem Schmied zu, der eine Schere fertigt, dann geht es zu weiteren Häusern, an einer bunten Mitsommerstange vorbei.

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Als der Regen stärker wird, basteln Kilian und Louisa im Herrenhaus.

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Danach besichtigen wir das Schloss, das 1388 erstmals erwähnt wurde. es gab verschiedene Erweiterungen, Eroberungen und Brände, alles recht beeindruckend. Aber irgendwann sind wir recht durchgeweicht und die Moral der Truppe ist in freiem Fall.

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Wir machen uns auf den Heimweg, Zwischenstopp geplant ist neben einer Kartoffelfabrik (!). Dort winkt neben einer Bude ein fröhliches Kartoffelmännchen, Kilian hofft auf kiloweise Pommes. Doch wir sind im Taffel-Fabrikverkauf für Chips und Lakritze und ähnliches gelandet …. die Rettung!

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Es gibt für 1 Euro seeeehr starken Kaffee, kostenlose Toffees. Schmatzende Kinder (nicht nur unsere) stehen vor den Chipspröbchen, bis diese leer sind (Kilian und Louisa waren nicht unwesentlich beteiligt). Als wir den Laden mit einer dicken Einkaufstüte verlassen, sind wir alle vier ziemlich satt, warm und zufrieden. Die Rückbank schlummert auf dem Heimweg nach dem ersten Zuckerschub selig. Die Eltern schalten Ed Sheeran aus.

Da es auf dem ansonsten wunderbaren Zeltplatz leider keinen Essensraum gibt, essen wir erst im Restaurant zu abend und bleiben dann bei Eis, Cider und Bier beharrlich sitzen, bis das “Q” schließt.

Gerald bringt gegen 21.30 Uhr die Kinder (und sich) ins Bett, Nicole folgt der Einladung aus dem Nachbarzelt, in dem die Rostocker wohnen: “Stuhl mitbringen, Schnapsgläser haben wir.” Es wird nach Mitternacht, einen Flasche Asbach Uralt wird geleert (Nicole hat ein Auge darauf, dass kein größerer Unfall passiert. Das Toilettenhäuschen ist einfach zu weit weg für ausschweifende Gelage), Mailadressen werden ausgetauscht und Geschichten über Autobatterien, die in Skandinavien den Geist aufgeben (davon haben wir ja schließlich auch mehrere…)

Tag 13: Mittwoch, 12. Juli 2017

Kleine Stadt ganz groß

Als wir aufstehen, herrscht dichter Nebel. Nordsee im Herbst, oder so.

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Die Finnen schwimmen, die Schweizer haben Anorak und Mütze an. Wir sind sehr langsam beim Packen und fahren gegen 12 Uhr vom Platz.

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Je weiter wir von Degersand Richtung Innenland kommen, desto mehr lichtet sich der Nebel. Erster Programmpunkt: Eckerö Kyrka. Ein schönes Kirchlein, mit spannenden Details: Taufbecken aus Holz aus dem 12. Jahrhundert, eine Holzfigur von Maria und Jesuskind, deren Frisur im 16. Jahrhundert an die aktuelle Mode angepasst wurde.

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Ebenso spannend: Die Toilette gegenüber. Ein echtes Plumpsklo, gleich zwei nebeneinander, sauber mit Deckeln abgedeckt. Daneben steht stets ein Eimer Sand oder Erde, wovon bei größeren Geschäften eine Schaufel drübergekippt wird. Gibt es hier immer wieder, Kilian und Louisa verweigern die Nutzung allerdings beharrlich. Danach, wichtig für Moral der Truppe: Kaffeepaussi! Wir halten an einem kleinen Bäcker und nehmen jeweils einen Blaubeer-, Vanille-, Zimt- und Kardamomkringel. Alles lecker und wir staunen wieder einmal über die Brotvielfalt in Finnland/Aland.

Gemütlich trudeln wir auf dem Zeltplatz Grödens Udda ein - mittten in der Stadt (also in Mariehamn, Hauptstadt und Kleinstadt), am Meer, quasi in einer gepflegten Parkanlage.

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Am Strand läuft ein Schwimmkurs für die Kleinsten. Hüpfburg und Eiswagen stehen auch schon bereit. An der Rezeption werden wir gewarnt: Großer Fußball in der kleinen Stadt, am Abend spielt Marienhamn gegen eine polnische Mannschaft, deshalb wäre ganz viel Polizei in der Stadt. Ganz viel. Nur damit wir uns nicht wundern. Darauf erstmal ein paar Würstchen aus der Pfanne. Kilian und Louisa bauen die erste Strandburg, Nicole und Gerald bauen das Zelt auf.

Wir bummeln gemütlich durch den Ort. Die Innenstadt zeigt: Auch hier gibt es Beton, auch hier gab es die 1960er … Mäßig spannend. Aber breite Straßen, viel Grün. Die Kaffeestugan Svarta Kattan hat zum Glück noch auf, obwohl es nach 17 Uhr ist. In dieser Hinsicht herrschen quasi neuseeländische Verhältnisse. Die Chocolate Bomb schmeckt sagenhaft.

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Wir bummeln weiter und biegen kurz vor dem Zeltplatz nochmal ab: Im ältesten Haus der Stadt, genauer im schönen Garten, ist anlässlich von 100 Jahre Finnland ein Konzertabend.

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Einem finnischen Folkkonzert zu lauschen, bei dem man kein Wort versteht, ist schon eine spannende Erfahrung. Aber es geht ja um die Musik und die gefällt. Nicole handelt sich derzweil wegen eines zu dünnen T-Shirts einen Rücken voller Schnakenstiche ein. Zum Abschluss bieten zwei Mädchen sehr beseelt Gymanstisches zu indischen Ed-Sheeran-Klängen (!), wir sind schon im Nachbarhaus, einem kleinen Museum, das nur manchmal geöffnet hat.

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Polizeiautos sehen wir nicht. Aber die Fangesänge aus dem Stadion singen uns in den Schlaf - mal wieder viel zu spät.

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Tag 14: Donnerstag, 13. Juli 2017

Landratten suchen die Schiffsratte Ruby

dröhn-dröhn-dröhn. 5.30 Uhr. dröhn-dröhn-dröhn. Nicole steht im Schlafsack. Von schlechtem Eurotechno geweckt. Vor dem Zelt kurze entnervte Orientierung - sind es die Schweden, die ihre Riesenzelte direkt am Strand aufgebaut haben? Nein. Es scheint aus dem Stadion zu kommen. Haben die Fußballer durchgefeiert und wer hat eigentlich gewonnen? Egal, gegen 6 Uhr ist der Lärm endlich vorbei und Nicole schlummert weiter. Spätes Frühstück, später Aufbruch.

Bei Sonnenschein und viel zu kühlem Wind bummeln wir zum großen Fährhafen. Plausch mit einem Schweizer Ehepaar, das auch auf dem Zeltplatz wohnt, für die Heimreise aber noch etwas mehr Zeit hat. Am Kiosk noch einen Hotdog - den es wie immer auch ohne Brot, dafür trotzdem mit Gurke/Zwiebel/Ketchup gäbe.

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Nicole und Gerald probieren eine Pirogge mit Käse - kulinarischer Fehlgriff des Urlaubs, Brrrrrrrrrr.

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Ab zirka 13 Uhr: Endlich im Museum. Gerald liebäugelt schon mit einem Kaffee, aber erstmal geht es in die Ausstellung. Das Schifffahrtsmuseum in Mariehamn war 2016 das finnische Museum des Jahres. Zu recht, es ist klein, aber fein. Galionsfiguren, Schiffsmasten, viele Geschichten von Überfahrten, dem Leben an Bord, weiblichen Matrosen … Macht viel Spaß.

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Auch dem Nachwuchs: Kilian und Louisa sind der Museumsmaus Ruby auf der Spur und bekommen für ihre gelösten Aufgaben am Ende ein kleines Geschenk. Während die Eltern dann doch noch schnell einen Kaffee schlürfen ….

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Wir steuern DAS alte Café in der Innenstadt an -und müssten wieder Schlange stehen. Schnell zurück zur Schwarzen Katze, erst salziges Essen (Toast mit Hühnchen und Quiche), danach noch eine Schokoladenbombe und einen saftigen Karottenkuchen mit supersüßem Topping.

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Vorher waren wir durchgefroren, jetzt glühen wir vor Zuckerschock. Postkarten werden geschrieben, das Tablet geladen. Kilian und Louisa dürfen ausnahmsweise Maus-Filme schauen - erst zum dritten oder vierten Mal, wir schaffen es ziemlich undigital.

Dann geht es noch einmal quer durch die Stadt, Nicole will in den Laden des Handwerkerkollektivs SALT, der aber um 18 Uhr schließt.

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Direkt nebenan liegt ein schönes Hafengelände, nach eingehender Besichtigung bummeln wir am Ufer zum Zeltplatz.

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Restekochen: Nudeln, Eier, Speck. Es ist hell, kühl, die Sonne strahlt, die Hüpfburg ruft.

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Um 22.30 Uhr Ortszeit sinken vier Mann/Frau erschöpft in die Schlafsäcke. Das Gebläse der Hüpfburg lärmt noch lange weiter.

Tag 15: Freitag, 14. Juli 2017

Noch einmal den finnischen Sommertraum genießen

Beim Frühstück überzeugt die Reiseleitung die Truppe, dass man den letzten Aland-Tag unbedingt noch zu einem Ausflug nutzen muss. Harte Überzeugungsarbeit. Das Argument “lokale Brauerei liegt auf dem Weg” wirkt dann doch, wenigstens bei einem. Wir brausen los gen Norden, erstmal nach Godby, sind um 11.40 Uhr bei der Brauerei in Stallhagen. Vor allem Männer sitzen schon im Pub, drinnen und draußen, und … äh… verkosten. Allerdings verweigert die Reiseleitung um diese Uhrzeit eine Bierprobe. Weiter gehts nach Geta, in die nördlichste Region von Aland. Die Straße ist irgendwann nicht mehr geteert, der Kiefernwald wird karst, wir haben den höchsten Punkt erreicht: 107 Meter über dem Meer. Und von der Terrasse des Ausflugslokals hat man gleich eine ziemlich gute Sicht.

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Wir landen auf dem Troll-Weg, der mit kleinen Geschichten (in keiner Sprache, die wir verstehen) über die Steine und zu spannenden Erdspalten und Verschiebungen führt. Geralds Knie zickt seit einigen Tage, was uns dann davon abhält auch noch den Höhlenweg zu absolvieren.

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Wir wollen ja noch auf den Aussichtsturm. Der ist ganz aus Holz, bietet einen schöne Sicht, aber leider nur geschlossene Fenster.

Gerald schaut auf die Uhr - er trägt sein letztes sauberes Shirt, wir müssen auf dem Zeltplatz dringend waschen und das geht halt schlecht, wenn man immer spät heimkommt. Nicole arbeitet nochmal hart, Enebo, das schönste Gartencafé im Land …. also nochmal zurück zur größeren Straße, dann drei Kilometer ungeteerte Straße, nochmal 300 Meter staubigste Straße. Und dort: ein kleines Paradies. Holzhausensemble, alte Obstbäume, eine ganz kurze Karte: Kaffee. Tee. Saft. Pannkakka. Bulle. Smorgas (Butterbrot). Wir nehmen alles und genießen ganz lange.

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So könnte man leben, vielleicht nicht unbedingt mit einem Plumpsklo. Aber ansonsten: Ein nordischer Sommertraum. Der junge Mann, der bedient, erschrickt geradezu wenn er angesprochen wird. Er lebt sonst in Helsinki, hilft im Sommer seiner Oma, der Enebo gehört. (ein unglaublicher Kontrast zu den plauderfreudigen, charmanten Schweden)

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Irgendwann müssen wir dann doch los - und lassen die Bierprobe sausen. Waschmaschine und Trockner rufen. Abends gibt es eine dicke Ladung Würstel. Und die Möwen bekommen nichts ab, auch wenn sie sich noch so sehr bemühen.

Ps: Am Abend zuvor hatten wir noch Minigolf gespielt. Lustige Bahn: Ball geht beim Elefanten durch den Rüssel rein und kommt am Popo wieder raus.

Nochmal einen Anmerkung zu den Finnen. Zumindest die auf dem Zeltplatz haben gerne drei Kinder, mit dem vierten in Mamas Bauch. Der Abstand ist gerade so im biologisch machbaren, also sehr sehr eng. Vermutlich ein Grund dafür, dass die Sauberkeitserziehung sehr rigide ist. Der hippe Papa mit Bärtchen und Pferdeschwanz schleppt das Kleinste samt Klapptöpfchen aufs Klo, Windeln sieht man kaum, schon die Mini-minis müssen pieseln gehen.

Tag 16: Samstag, 15. Juli 2017

Von Finnland nach Schweden

Aland macht uns den Abschied schwer: Die Sonne strahlt von Himmel, Menschen gehen schwimmen, während wir unser Zelt in Mariehamn (das wir beharrlich Marienhamm nennen) abbauen. Wir sind so früh dran, dass sogar noch einen Spaziergang wagen: Direkt neben dem Zeltplatz liegt einer der vielen Stadtparks, von dort führt ein kleiner Weg mit zwei Brücken nach Lille Holmen: Öffentlicher Badestrand mit Duschen, Toiletten, Umkleiden, dazu noch freilaufende Pfauen, Hasengehege, Vogelvolieren.

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Die Bademeisterin misst gerade die Wassertemperatur: Sagenhaft laue 18 Grad! Kilian und Louisa würden am liebsten jetzt schon klarmachen, dass wir den Sommerurlaub 2018 auch auf Aland verbringen. Nicole wäre sofort dabei, Gerald träumt von den Lofoten …

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Pünktlich eine Stunde vor der Abfahrt reihen wir uns in die Schlange vor der Fähre der Viking Line von Mariehamn nach Kappelskär ein. Das schwedische Schiff ist um einiges komfortabler als die (klar, kleineren) Schiffe vorher. Liegt vielleicht auch daran, dass es nicht zu alandstrafiken gehört, die die Verbindungen zwischen den Inseln wie mit Stadtbussen sicherstellen. Zwischen Aland und Schweden pendeln vielmehr gerne Menschen, die das duty-free-Angebot nutzen. Uns langt das Stockwerk mit Buffet (Kilian braucht Kartoffelbrei zum Überleben), Sitzplätzen mit Steckdosen (Elektronik duchladen), Blick auf die Showbühne ein Stockwerk tiefer (Zauberer) und Kinderecke (ja, mit 9 kann man noch begeistert Eisenbahn spielen).

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Nicole zieht es an Deck, auch dort ist viel los: Auf der Lapin Kulta (Finnisches Bier)-Bühne spielt einen Country-Rockband live, es gibt einen Grillstand mit Burgern. Die Zeit verfliegt, kein Vergleich zur letzten, kürzeren Fahrt, zwischen Brändö und Festland-Aland.

Wir rollen in Kapellskär von der Fähre und die Rückbank fällt in komatösen Schlaf - nach zwei Wochen konstantem Schlafdefizit auch kein Wunder. Die Eltern hören kein Ed Sheeran und freuen sich über die ruhige Fahrt. Alle Wege scheinen nach Stockholm zu führen, doch wir peilen die Universitätsstadt Uppsala an, etwas weiter nördlich gelegen. Als wir den Zeltplatz suchen und finden, werden Kilian und Louisa wieder munter. Der Platz selbst ist nach den mitten im Grünen gelegenen Plätzen in Finnland ernüchternd klein (also der Zeltbereich, Wohnmobile gibt es en masse), immerhin am Fluss gelegen.

Um 17 Uhr machen wir uns zu Fuß am Fluß entlang auf den Weg zum Dom - der schließt um 18 Uhr. Wir sind jetzt wieder in der deutschen Zeit, Finnland war eine Stunde voraus. Erst geht es durchs Wohngebiet, dann sind Baustellen zu überwinden. Aber 25 Minuten später sind wir kurz vor der Altstadt. Für knapp 150.000 Einwohner geht es extrem beschaulich zu - selbst wenn man Semesterferien und Sommerurlaub miteinbezieht. Der Dom hat noch etwas geöffnet, wir drehen eine erste Runde. Wow. Das größte Gotteshaus in Nordeuropa. Die Dimensionen beeindrucken, die gemalte Dekoration ebenso. Der Domorganist haut in die Tasten, reagiert aber äußert knurrig, als sich immer mehr Zuhörer nähern. Wir bleiben im Dom, bis die Durchsage kommt, dass jetzt aber auch wirklich gleich geschlossen wird.

Zeit fürs Abendessen: Es gibt viele Cafés, Biergärten … wie es sich für eine Unistadt gehört. Lecker und günstig ist der Thailänder am Flußufer, den auch viele Asiaten nutzen.

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Immer ein gutes Zeichen. Nur das Bier sorgt mit 7 Euro pro Glas dafür, dass die Rechnung etwas höher wird. Vor dem Eiskauf müssen wir noch Kronen abheben.

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Dann geht es zu Fuß zurück zum Zeltplatz - da Gerald ein echter Erichsson (Sohn des Erich, Wanderführer mit wenig Sympathien für Seilbahnen, Busse und ähnlichen Schnickschnack) ist, kommt der Bus natürlich nicht in Frage, solange es hell und trocken ist.

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