Samstag, 4. Juli 2026
Um 9.30 Uhr sind wir in Langford aus der Tür, in die neue Ferienwohnung können wir aber erst um 16 Uhr. Zeit für ein paar Zwischenstopps. Auf der Route Nr 1, auch Malahat Drive, ist ziemlich viel los - es ist Samstag und es gibt hier schlicht nicht so viele große Straßen. Es gibt schöne Aussichtspunkte über das Meer und die vorgelagerten Inselchen, wieder bis in die USA, die hier zum Greifen nahe sind. Den Baumwipfelpfad, der groß beworben wird, schenken wir uns - teuer und dem vergleichbaren Gebäude im Schwarzwald verdächtig ähnlich.
Chemainus hat unter 4000 Einwohner, historische Gebäude, viele Wandmalereien - ideal für einen Stopp. Allerdings hat das Dörfchen an diesem Samstag den "Riesenstraßenmarkt" und es ist entsprechend die Hölle los. Besonders schön ist der kleine Stand, an dem eine ernst dreinblickende Dame im Blumenkleid das Lesen der Teeblätter verspricht. An einer anderen Ecke spielt eine Band das Trump-Protestlied "We will never be your 51st state" ("Wir werden nie euer 51. Bundesstaat sein"), während die Konservativen das versprechen, das sie irgendwie überall versprechen: Die Straßen sollen sicherer werden. Dazu an jeder Ecke Wandmalereien, sehr hübsch. In einem kleinen Café (Owls Nest) gibt es die Mittagsrast, dann geht es weiter.
Riesentrubel gibt es auch in einem Gewerbegebiet in Coombs, in dem die Fahrer schon Schlange stehen, um einen Parkplatz zu ergattern. Spaziergang im Gewerbegebiet ist hier offensichtlich durchaus ein Wochenendvergnügen. Bei uns liegt der Old Country Market sowieso auf der Strecke und er bietet einen besonderen Gag: Auf dem Dach des Gebäudes weiden Ziegen und das schon seit den 1970ern . Von Oktober bis Mai wohnen sie auf einer Farm. Im Inneren bietet der Markt ein Wahnsinnsangebot an Lebensmitteln aus aller Welt, unter anderem Marzipan und Käse aus Deutschland.
Der beste Stopp kommt kurz vor der neuen Ferienwohnung: Cathedral Grove, ein Gebiet mit über 800 Jahre alten Bäumen und vielen Farnen. Zwei Wanderwege führen durch den Wald und sind nicht annähernd so voll, wie wir nach einem Blick auf den Parkplatz befürchtet hatten. Wunderschön, mystische Atmosphäre, kein Wunder, dass hier ein Teil von Jurrasic World gedreht wurde.
Die neue Ferienwohnung besteht aus einem großen Raum mit zwei Betten, Küche, Wohnbereich. Nachdem eine andere Unterkunft nach der Buchung abgesagt hatte, war das eine günstige Alternative mit besten Bewertungen. Unsere Nachbarn sind eine große Hühnerschar und zwei Wachhunde, die schwanzwedelnd laut bellen und unsere Terrasse umkreisen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis wir sie streicheln.
Port Alberni ist an einem Samstagabend .... verschlafen. Zumindest in der Ecke, in der wir parken. Dafür sind über unseren Köpfen Weißkopfseeadler und andere Greifvögel unterwegs, im "The Clam Bucket" gibt es Burger und Meeresfrüchte. Noch einen Abstecher zu Walmart, dann fallen wir bald ins Bett.
Sonntag, 5. Juli 2026
In den Schrankbetten unserer "Villa" schlafen wir wunderbar, nicht einmal der Hahn kann uns wecken. Heute haben wir eine lange Fahrt vor uns: An die Westküste zum Pacific-Rim-Nationalpark. Insgesamt werden wir am Abend gut 236 Kilometer Fahrt zurückgelegt und über drei Stunden im Auto verbracht haben. Zunächst sehen wir am Fahrbahnrand aber wieder die kleinen Rehe.
Immer durch den Wald, manchmal vorbei an Seen und stets mit Blick auf hohe Berggipfel geht es an die Küste. Im Pacific Rim Besucherzentrum werden wir von einer älteren Dame namens Mimi mit allen Informationen versorgt, die wir für einen einwöchigen Aufenthalt benötigen würden. Mimi zaubert eine Karte nach der anderen hervor, markiert, gibt Ratschläge und ist kaum zum bremsen. "... Und da sind noch die Reste eines abgestürzten Flugzeugs." Im Zweiten Weltkrieg hat Kanada dafür gesorgt, dass die US-Frachtschiffe zwischen Kalifornien und Alaska unbehelligt von japanischen Angriffen kreuzen konnten. Feines Lächeln, "ich weiß nicht, ob wir das gerade noch so machen würden...." Da haben die Nachfolger von Trump dann einmal viel aufzuräumen. Und sie merkt noch deutlich wärmer an: Der Eintritt zum Nationalpark ist übrigens gerade kostenlos, das hat Mr. Carney so entschieden. Das ist der kanadische Ministerpräsident, der damit seine Landsleute schon zum zweiten Jahr in Folge davor bewahrt, südlich der Grenze Urlaub machen zu müssen,
Die Reiseleitung hat gleich mehrere Pläne, aber um die Truppe sanft zu stimmen, gibt es erstmal spätes Mittagessen. An diesem Sonntag ist das Örtchen Ucluelet erstaunlich verschlafen, schließlich steht der Nationalpark auf Platz drei der überlaufenen Parks (nach Banff und Jasper, da sind wir nächste Woche). Die Sonne strahlt, der Wind ist kühl, was aber die kälteerprobten Kanadier nicht stören dürfte. Im Cedar Grill - innen komplett mit Sägeblättern dekoriert - erinnern wir uns zum Glück daran, dass die kanadische Pizza in kleinen Dosen zu genießen ist. Louisa hält sich an eine große Gemüsesuppe, Kilian an Nudeln und dann gibt es noch zwei dick belegte Teigfladen, die unter "klein" laufen.
Erster Stopp: der Parkplatz am Leuchtturm. Dort gibt es einen Rundweg, der zu den wohl schönsten Wegen gehört, die wir je gelaufen sind. Blick auf den dunkelblauen Pazifik, sehr grüner alter Wald, es fühlt sich geradezu mediterran an. Und ein neues Warnschild: ein Wolf wurde gesichtet, sowohl auf diesem, als auch auf dem zweiten Weg. Was aber außer einer einzelnen Deutschen niemanden zu beeindrucken scheint. Hier ist niemand mit Bärenspray unterwegs, kleine Kinder rennen herum. Egal, wie lange man aufs Meer starrt, Wale sieht man deshalb noch lange nicht. Auch wenn die hier gerade anderswo wohl scharenweise unterwegs sind, egal ob Orcas oder Buckelwale. Die Reiseleitung droht langsam an, noch so oft nach Kanada zu fahren, bis sie hier endlich welche sieht. Die Familie verweist darauf, dass man doch in Australien den Buckelwalen ganz nahe kam. Aber das war ja auch ein anderer Kontinent. Zurück am Leuchtturm gibt es keinen Kaffee ("nur montags bis Freitags"), aber ein Buch, in das die Besucher Sichtungen eintragen. Kurz bevor wir da waren ein Seelöwe, am Tag zuvor ein Bärenjungs und Orcas sowieso. Uns bleiben immerhin ein Bambi und ein sehr süßes kleines hörnchenähnliches Wesen.
Und wir treffen einen Star der sozialen Medien: Wir wundern uns über einen Mann, der einen Kakadu dabei hat und diesen beharrlich filmt. Die Leuchtturm Mitarbeiterinnen verraten uns, dass es sich um "Barney The West Coast Cockatoo" handelt, der Vogel hat seinen eigenen Instaaccount. Mit dem der Besitzer wohl sein Geld verdient.
Nächster Stopp: Der alte Zedern-Rundweg, mit einem kleinen Abstecher zum Meer, wieder mit Wolfswarnung. Wieder sehr schön, Bänke an wirklich jeder Ecke, auf denen man auf den Ozean starren kann.
Danach geht es Richtung Tofino, es ist schon 17.30 Uhr. Einen dritten Rundweg gibt es unerklärlicherweise leider nicht. Dafür steuern wir Long Beach an. Hier wird auf großen Hinweismonitoren unter anderem davor gewarnt, dass der Pazifik gerade kalt ist. Ein breiter, langer Strand mit Sanitärinfrastruktur und vielen Surfern, im Abendlicht. Hier kann man es eine Weile aushalten. Für den Rückweg übernimmt Nicole das Steuer des Mietwagens, was ja den Charme hat, dass man unterwegs für einen Fotostopp einfach Mal anhalten kann.
Abendessen gibt es Zuhause: Eier von den Hühnern unserer Vermieter. Ein kleiner Plausch mit Maria, Louisa knuddelt den knuddelbedürftigen Marco und die eifersüchtige Viola. Auf den Tisch kommt Rührei mit Kühlschrankresten und Toastbrot. Die Schnaken treiben uns leider schnell von der Terrasse ins Haus.
Montag, 6. Juli 2026
Vormittags laufen Waschmaschine und Trockner auf Hochtouren. Die Reiseleitung hat derweil Zeit, nach Ausflugszielen in der Umgebung zu stöbern. Als wir gegen 13.30 Uhr das Haus verlassen stellen wir fest: Ganz schön schwül-warm heute, gut 28 Grad. Das ist bisher unsere Höchsttemperatur in Kanada.
Nur ein paar Minuten mit dem Auto entfernt parken wir direkt neben dem Highway um zum "Hole in the Wall", dem Loch in der Wand, zu gelangen. Der Weg ist nicht wirklich markiert, ein Schild weist den Weg. Da noch viele andere Wanderer in diesem wieder wirklich zauberhaften Wald - alte Bäume, Farn, viele Flechten - unterwegs sind, ist so gar die Reiseleitung entspannt. Das Loch in der Wand ist nicht natürlich entstanden: Hier verlief einmal eine Wasserleitung, deren Reste man noch im Waldboden sehen kann.
Danach gibt es im Innenort - nein, auch am Montag ist noch keinerlei städtisches Leben erkennbar, das diesen Namen verdient hätte - salzige und süße Crepes und Heißgetränke. Weiter geht's um im kleinen Hafen einen kleinen Turm zu besteigen. Es ist weiter sehr warm und es weht eine heiße Brise. Der Blick geht den fjordähnlichen Meeresarm entlang und man wünscht dann doch keinem Orca, dass er sich dahin verirrt.
An anderer Stelle im Ort führt unser Weg entlang dem Bächlein Kitsuksis. Erst an einem kühlen Wasserspielplatz vorbei, dann an öffentlichen Grillplätzen mit öffentlichen Toiletten, das Gras ist überall verdorrt. Dann gehen wir in der prallen Sonne und schließlich sehr einsam in einem Waldgebiet zu einem kleinen Wasserfall. Die Reiseleitung wird ohne andere Wanderer allerdings sehr nervös und der Rückweg wird recht zügig angetreten. Dann stand an dem Grillplatz nicht eine Bärenbelehrung, in der es - zugegeben - weniger um Sicherheit, als um das Zusammenleben und vor allem das Wegräumen von Müll ging? Kaum wechseln wir das Waldstück spielen Kinder alleine im Wasser und eine bärensprayfreie Alleinwanderin kreuzt unseren Weg. Sogar ein Reh sitzt wieder entspannt am Wegesrand.
Ein besonders schönes Fundstück war der Fish&Duck Pub an einem nahegelegenen See, der zu einer Bootsvermietung gehört. Wir halten kurz, um zu prüfen, dass er wirklich geöffnet hat, und reservieren einen Tisch. Danach geht es noch zügig zu einem Parkplatz am Sproat Lake. Wir stellen fest: Statt in der Hitze zu laufen hätten wir uns hier auch einfach ans Wasser legen können - wie sehr viele Kanadier! Unser Weg führt uns am Ufer entlang zum k'ak'awin, Felszeichnungen der First Nation, und wieder zurück. Abendessen gibt es dann mit bestem Seeblick auf der Terrasse des Pub, Kilian fungiert als Ticker des WM-Spiels USA-Belgien. Wir feiern den belgischen Sieg. Dann geht es noch für ein paar Snacks zum Walmart und wir müssen schon wieder packen.
Dienstag, 7. Juli 2026
Die Nacht ist etwas unruhig: Der Hahn krähnt, Hund Marco winselt vor der Terrassentür und dann geht auch noch ein Wecker ... Kurz nach 8 Uhr verabschieden wir uns von Maria und fahren gen Nanaimo. Dort hoffen wir auf ein leckeres Frühstücksangebot ähnlich dem in Tsawassen. Aber dieser Fährhafen ist deutlich kleiner. Es gibt genau ein kleines Café mit einem lausigen Frühstücksburrito, einer dünnen Chai Latte und mäßigem Kaffee. Dafür gibt es kleine Marktstände mit Handwerkskunst (die wir ignorieren) und einen Stand mit einem kanadischen Wikinger, der über den World Cup und die Fahrgesellschaft informiert. Eine große Tafel weist übrigens darauf hin, welche Wale hier regelmäßig kreuzen.
Auf der Fähre weht es einem auf dem Sonnendeck fast weg. Wir haben dafür einen Platz mit bester Sicht nahe dem Bistro, mit einem großen Fenster. Was allerdings nichts bringt, wenn sich keine müde Flosse sehen lässt. Kein Wal, kein Orca (ja, auch ein Wal, aber ein anderer), nichtmal ein Delfin. Nichts. Das war es dann auch mit Meer für diesen Urlaub. Immerhin stellen wir fest, dass auf den kanadischen Fährend das Essen bezahlbar und genießbar ist, ein großer Unterschied zu vielen anderen Fähren, auf denen wir schon unterwegs waren.
Gut 400 Kilometer Fahrt liegen noch vor uns, zunächst auf dem Highway 1, nahe der US-Grenze. Die Strecke bietet einen beeindruckenden Blick auf den Mount Baker, einen 3286 Meter hohen Vulkan im Bundesstaat Washington, der zuletzt in den 1970ern ein paar Rauchwolken ausgestoßen hat. Mindestens ebenso beeindruckend sind kurz darauf die Rauchwolken des großen Waldbrandes im Fraser Valley, die uns den Großteil der Fahrt begleiten werden. Um vor allem das Überleben auf der Rückbank zu sichern gibt es noch zwei Stopps bei Anbietern von Heiß & Fettig. Dabei spricht uns im Dairy Queen der indischstämmige Kassenmitarbeiter mit Augenzwinkern auf Deutsch an: "Zum hier essen oder zum Mitnehmen?"
In West Kelowna am Okanagan Lake werden von unseren Vermietern schon erwartet. Linda und Brent geben alles zum zu beweisen, dass Kanadier mindestens genauso überschwänglich sein können, wir Australier. Wir werden liebevollst begrüßt und dann durch die sehr große Wohnung geführt, in der die Klimaanlage bei über 30 Grad Außentemperatur schon angenehm kühlt. Es gibt Gastgeschenke, einen Kühlschrank mit Grillsoßen, Strandtücher ... Es ist der Wahnsinn. Noch ein kurzer Ausflug zum Supermarkt, dann wird gegrillt - und der laue Abend mit Blick auf den See verbracht.
Mittwoch, 8. Juli 2026
Abhängen mit Blick auf dem See, unterbrochen von Kaffeepause/Mittagessen/Kaffepause. Kleiner Abstecher über die Treppen am Haus an den kleinen Strand, den Linda empfohlen hatte. Die Eltern gehen ins kalte Wasser, nachdem sie sich zum Entsetzen eines Teenagers am Strand umgezogen haben. Langsamer Rückweg durch das Wohngebiet, indem es ausschließlich teuere, große Häuser zu geben scheint. Ein Blick auf den abgebrannten Park, wegen dem Linda und Brent vor einigen Wochen evakuiert wurden. Abends wieder grillen auf der Terrasse.
Donnerstag, 9. Juli
Ein weiterer heißer Tag am Okanagan Lake. Doch heute reißen wir uns von unserer Ferienwohnung, der Terrasse und der Klimaanlage los: wir haben eine Fahrt mit der Dampflok gebucht. Die Kettle Valley Railway fährt noch auf einem Stück den alten Gleisen von vor über 100 Jahren, ein Großteil der Trasse ist inzwischen zu einem Radweg umgewandelt worden. Wir brauchen eine knappe Stunde, bis wir am Bahnhof angekommen sind. Während die Hügel rund um den See sonnenverbrannt wirken und an Kreta oder Kroatien erinnern, ist das Tal der Früchte - dafür ist die Region bekannt - grasgrün und blühend.
Am Bahnhof selbst muss man die Internet-Tickets noch in Papiertickets umwandeln, es gibt einen kleinen Shop mit Kaffeemaschine, einen großen Picknickbereich und natürlich Sanitärräume. Denn im Zug gäbe es nur ein Notklo von 1940, wie eine Bahnmitarbeiterin mahnend anmerkt. Es gilt offensichtlich wieder das Prinzip, das weltweit bei allen alten Dampfloks zu gelten scheint: Sehr viele Ehrenamtliche sind im Dienst, alle mit hoher Begeisterung. Der Zugführer in Uniform ist eher ein Entertainer und plaudert am Mikro die Fahrt durch, weist auf Sehenswürdigkeiten hin und stimmt Ständchen für die Geburtstagskinder an Bord an. Beim Stopp gibt es die Gelegenheit zum Fotoshooting.
Wir sitzen in einem offenen Wagen und die Reiseleitung gratuliert sich selbst dazu, vorher gründlich recherchiert zu haben. Denn wir sitzen auf der linken Seite und haben damit auf der Hin- und Rückfahrt Blick auf das grüne Tal. Um 12 Uhr geht es los, zirka 45 Minuten lang, dann gibt es einen kleinen Stopp an einer Eisenbahnbrücke, um 13.30 Uhr sind wir pünktlich zurück. Der Zug ist ausgebucht. Es gäbe übrigens auch Fahrten, bei denen ein (regional bekannter) Zugüberfall nachgestellt wird, aber darauf haben wir dankend verzichtet.
Danach steuern wir das "Dirty Laundry"-Weingut an, das wir von der Strecke aus gesehen haben und das eine schöne Blick über das Tal bietet. Allerdings hatten nicht nur wir diese Idee: Der Parkplatz ist knallvoll, gerade blinkt auch ein Rettungswagen in der Einfahrt. Wir müssten eine Stunde auf einen Tisch warten - und ziehen dann lieber weiter.
Auf dem Rückweg nach West Kelowna halten wir spontan am Weingut Fitzpatrick Family, das sehr attraktiv über dem See liegt. Es hätte übrigens gefühlt noch 100 andere Weingüter gegeben, viele davon inzwischen Investments zum Beispiel von Dating-app-Entwicklern oder preisgekönte Häuser. Überall kann man für recht wenig Geld Wein probieren. Fitzpatrick hat den Charme, dass wir dort erst einmal noch im Bistro mit bestem Blick etwas essen können. Inzwischen sticht die Sonne vom Himmel. Wir teilen uns eine Weinprobe und einen extra Gewürztraminer, der hier so viel leichter und weniger süß ist, als in Franken.
Wegen der Hitze und weil wir nochmal waschen müssen wird der Programmpunkt "Spaziergang an der Waterfront in Peachland" gestrichen. Wir kaufen noch kurz fürs Abendessen ein und fahren zurück. Am Abend plaudern wir noch eine lange Runde mit Linda und Brent, die sich zunächst gesorgt hatten, dass die Teenagerparty im Nachbarhaus (Eltern verreist) für uns zu laut sein könnte. Aber alles kein Problem, bald ist es wieder ruhig.
Freitag, 10. Juli 2026
Diesmal wird früh gefrühstückt, weil wir damit auf der Strecke Zeit sparen. Denken wir zumindest noch morgens um 7.30 Uhr. Denn vor uns liegen 750 Kilometer Richtung Rocky Mountains. Wir kommen tatsächlich um 9 Uhr los, nachdem wir zum Abschied noch kurz Linda und Brent gedrückt haben.
Den ersten Teil der Strecke kennen wir schon, es geht zurück nach Merriet. Dann biegen wir ab nach Kamloops, es ist kurz vor 11 Uhr - und hier gibt eine Filiale der Pizza-Kette Little Cesars, die just um 11 Uhr öffnet. Und ganz oben auf Kilians "heiß&fettig - müssen wir hin"-Liste steht. Da der Pizzaofen noch nicht ganz bereit ist, müssen wir erstmal eine Runde warten. Danach steuern wir den Riverside Park an, um das Pizzabrot, die Pizza und kleine Teilchen zu verzehre - das braucht natürlich auch Zeit. Der Park selbst bietet natürlich wieder einen Wasserspielplatz, öffentliche Toiletten, Picknickbänke, einige lokale Obdachlose und sogar einen Strand am Fluss. Da bauen gerade die Lebensretter ihre Zelte auf und es wurde sogar eine lange Matte ausgelegt, damit auch Menschen mit Rollstuhl an den Strand gelangen können. Insgesamt ein schönes Örtchen - aber wir haben eine Stunde vertrödelt.
Danach übernimmt Nicole das Steuer, für knapp zwei Stunden gen Berge. Die Straße wird schmäler und führt stets am beeindruckenden Fluss North Thompson entlang. Mal geht es durch inzwischen grüne Wälder, dann wieder vorbei an kleinen Weilern. Plötzlich sehen wir kurz vor Valemouth einen beeindruckenden Bergriesen. Wir steigen kurz aus, holen Kaffee, als sich sich die Sicht verdüstert und es kurz regnet. Bald darauf biegen wir ab Richtung Jasper - und da ist er dann, der Mount Robson - wow. Unser erster Rocky, an dem wir uns kaum sattsehen können. Kurz darauf bleibt uns der Mund wieder offen stehen: Direkt neben der Fahrbahn sitzt gemütlich ein Schwarzbär im Gras. Wir lernen schnell: Wenn ein Wohnmobil mit Warnblinklicht neben der Fahrbahn steht, dann gibt es meistens was zu sehen...
Dann müssen wir die Uhren umstellen, eine Stunde vor: Wir wechseln vom Bundesstaat British Columbia nach Alberta. Kurz darauf sind wir in Jasper, der Ort, der 2024 ein Drittel der Häuser an einen Waldbrand verloren hat. Nachdem wir die ganze Zeit relativ alleine auf der Straße waren, ist hier auf einmal sehr viel Tourismus. Wir bummeln eine Runde durch Jasper, das tatsächlich recht hübsch ist, und essen bei einem kleinen Asiaten (philippinische Flagge, japanische Speisen) lecker zu Abend. Danach haben wir noch knapp 90 Kilometer zu unserer Unterkunft vor uns.
Die geplante Stunde dauert länger - Wapitis, Hirsche, Ziegen sind am Wegesrand, dann wieder beeindruckende Berge. Irgendwann verlassen wir den Nationalpark und biegen auf immer kleinere Sträßchen ab, hier sind die Tiere viel schreckhafter, weil sie den Rummel offensichtlich nicht gewohnt sind. Irgendwo im Nirgendwo kreuzen noch viele Hörnchen die Straße - und wir sind da. Die Black Cat Mountain Lodge, ein großer Holzbau. Kanadischer werden wir es wohl nicht mehr bekommen. Hier sind wir drei Nächte in einem Bed and Breakfast. Und jetzt ist es auf einmal Mitternacht.